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Grundrente

 

 

(Bonn/ Berlin, August 2020) Zunächst einmal zwei gute Nachrichten. Die Erste ist, dass die Grundrente tatsächlich gekommen ist, die Zweite: Rentner und Versicherte brauchen sich nicht um einen Antrag zu kümmern, die Rentenversicherung prüft nach einem elektronischen Abgleich mit dem Finanzamt, ob ein Anspruch besteht und zahlt dann den Teil der Rente, der der Grundrente entspricht ohne Antrag aus. Und nun die schlechte Nachricht: Wenn diese Rente dann ausgezahlt wird, ist es, auch dem interessierten Laien so gut wie unmöglich, eine Berechnung nachzuvollziehen. Soviel zur Übersichtlichkeit und Klarheit der Sozialgesetzgebung aus Berlin.

Im Folgenden möchte ich trotzdem versuchen, Ihnen zumindest einen Überblick über die Anspruchsvoraussetzungen etc. zu geben und hoffe, dabei so ausführlich und verständlich wie möglich zu sein ohne Ihnen unrichtige Informationen weiterzugeben.


 

Anspruchsvoraussetzungen:

Es müssen mindestens 33 Jahre „Grundrentenzeiten“ zurückgelegt werden. Diese sind:

Pflichtbeitragszeiten als Angestellte/Arbeiter/Selbständige

Kindererziehungszeiten

Zeiten der Leistungen bei Krankheit oder Rehabilitation (z.B. Krankengeld)

Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehungszeiten oder Pflege

Ersatzzeiten (Zeiten, die in Zusammenhang mit dem 2 Weltkrieg stehen)

Nur diese Zeiten zählen mit zur Berücksichtigung der o.a. 33 Jahre. Wer zwischen 33 und 35 Jahre dieser Zeiten zurückgelegt hat, erhält eine gestaffelte Grundrente bis zum Höchstbetrag nach 35 Jahren.


 

Relevante Verdiensthöhe:

Um die Durchschnittsrente zu erhalten, darf während des gesamten Berufslebens erreichten durchschnittlichen Einkommens sowohl eine bestimmen Obergrenze nicht überschritten als auch eine Untergrenze nicht unterschritten werden.

Die Untergrenze beträgt 30 % des durchschnittlichen Verdienstes aller Versicherten. Das ist im Jahr 2020 1.013 €. Liegt der eigene Verdienst darunter, also auch Minijobs, wird diese Zeit nicht mitgerechnet.

Die Obergrenze darf, bezogen auf das gesamte Berufsleben 80 % des Durchschnittsverdienstes nicht übersteigen. Das ist im Jahr 2020: 2.700 €.


 

Höhe der Grundrente:

Wenn die o.a. Voraussetzungen erfüllt sind, wird die Grundrente errechnet. Hierbei werden alle Entgeltpunkte (EP) zwischen 0,3 und 0,8 im Zeitraum der o.a. 33 bis 35 Jahre berücksichtigt. (Einen EP erwirbt derjenige, der in einem Jahr genau den Durchschnitt aller Versicherten verdient.) Daraus wird ein Durchschnitt ermittelt. Diese persönlichen EP – Durchschnitt wird verdoppelt, jedoch höchstens bis zu 0,8 EP. Die Differenz zwischen dieser „begrenzten Verdopplung“ wird um 12,5 % gekürzt. Das Ergebnis wird den persönlichen EP zugeschlagen.

Beispiel: Frau M hat 33 Grundrentenjahre. Und hat jedes Jahr zwischen 30 % und 80 % des Durchschnittsverdienstes des jeweiligen Jahres verdient. Ihre durchschnittlichen EP sind 0,5. Diese werden auf 1,0 verdoppelt, jedoch gekürzt auf 0,8. Der Zuschlag beträgt nun 0,8 ./. 0,5 = 0,3. Diese werden noch um 12,5 % gekürzt = 0,2625.

Das in € umgerechnet: 0,2625 x 33 x 34,19 (=aktueller Rentenwert 2020) =296 €. In diesem Beispielfall beträgt die Grundrente, die als Teil der „normalen“ Rente ausgezahlt wird, 296 €.


 

Einkommensanrechnung:

Wie bekannt, bestand eine der Regierungsparteien auf eine Einkommensprüfung, was die (elektronische) Abfrage beim Finanzamt erforderlich macht. Als Einkommen sind hier alle Einkommensarten, wie z.B. Renten, Mieteinnahmen, Erwerbseinkommen, ausländische Einkünfte etc. gemeint.

Das Einkommen wird grundsätzlich angerechnet, es gibt aber Freigrenzen. Diese sind für Alleinstehende: 1.250 € und für Eheleute 1.950 €. Werden die jeweiligen Beträge überschritten, werden 60 % des darüber liegenden Einkommens angerechnet. Ab 1.600 € (Alleinstehende) und 2.300 (Verheiratete) wird das Einkommen zu 100 % auf die Grundrente angerechnet.

Beispiel: Im o.a. Beispiel verdient Frau 1.450 €. Der übersteigende Betrag = 1.450 ./. 1.250 = 200 €. Davon 60 % = 120 €. Um diesen Betrag wird die Grundrente gekürzt, in unseren Beispielen also 296 (s.o.) ./. 120 = 176 € (Auszahlungsbetrag der Grundrente)


 

Die Grundrente soll für Rentenbezieher und zukünftige Rentenanträge gelten. Es brauch keiner einen Antrag stellen, die Aufstockung der „regulären“ Rente mit der Grundrente erfolgt ohne Antrag durch die Rentenversicherung. Das Gesetz tritt am 01.01.2021 in Kraft, die erste Auszahlung kann jedoch frühestens Mitte 2021 erfolgen, da die Rentenversicherung umfangreiche Anpassungsarbeiten, teilweise auch aus sehr alten Rentenakten, machen muss Derzeitig sind auch noch keine persönlichen Auskünfte durch die Rentenversicherung zu erhalten.


 

Das Grundrentengesetz sei eklatant verfassungswidrig, schreibt der ehemalige Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger. Über die Verfassungsmäßigkeit dieses Gesetzes mögen sich Gerichte und Juristen streiten. Meine Kritik geht dahin, daß unsere gewählten Volksvertreter es nicht schaffen, Sozialgesetze zu erlassen, die allgemein verständlich sind. Allein die Tatsache, daß die Fachleute der Rentenversicherung mehr als 1 Jahr benötigen, um dieses Gesetz umzusetzen, ist schon sehr bedenklich!“ so Rentenberater Seyock von Rentenberatung Bonn.