Neues aus der Rentenversicherung zum Jahreswechsel

(Januar 2013) "The same procedure as last year", fragen wir unsere Regierenden, "the same procedure as every year", bekommen wir dann, wie die obligatorischen Ansprachen, zu hören. Im Folgenden sind die wesentlichen Änderungen und Neuigkeiten aus der Rentenversicherung zum Jahreswechsel zusammengetragen.

 

Rentenversicherung, Rentenberater, Steuerberater, Personalabteilungen und Versicherte müssen sich, wie in jedem Jahr, mit einer Reihe Neuerungen auseinandersetzen. Ein Teil dieser Neuerungen wird häufig in der zweiten Dezemberhälfte beschlossen und muss dann ab dem kommenden 01.01. umgesetzt werden. "Dies bedeutet", so Rentenberater Alfons Seyock von Rentenberatung Bonn, "eine immense Belastung der MitarbeiterInnen der Rentenversicherung und der beratenden Berufe, zumal etliches seitens Regierung und Parlament bereits Wochen und Monate vorher bekannt ist und in Kraft gesetzt werden kann. Um den Lesern", so Seyock weiter, "die tägliche Arbeit ein wenig zu erleichtern, sind hier die wesentlichen Änderungen im Rentenrecht aufgeführt":

Beitragsbemessungsgrenze ist der Betrag, bis zu dem Pflichtbeiträge erhoben werden. Diese Grenze steigt ab 01.01.2013 im Westen auf 5.800 € im Monat und in den neuen Ländern im Osten auf 4.900 € im Monat. Von monatlichen Arbeitsentgelten, die über den genannten Beträgen liegen, werden ab 2013 keine Beiträge zur Rentenversicherung erhoben.

Beitragssatz: Der Beitragssatz in der gesetzlichen Rentenversicherung sinkt um 0,7 %- Punkte auf 18,9 %. Die Deutsche Rentenversicherung hat berechnet, dass ein Durchschnittsverdiener dadurch um ca. 8 € pro Monat entlastet wird.

 

Elektronische Betriebsprüfung: Zum 1. Januar 2013 soll für alle Arbeitgeber die elektronisch unterstützte Betriebsprüfung (euBP) verpflichtend werden. Dabei werden die Daten von Unternehmen vorab geprüft, so dass die Dauer der eigentlichen Betriebsprüfung verkürzt wird. Generell finden Betriebsprüfungen alle vier Jahre statt. Dabei prüft der Träger der Rentenversicherung, ob der Arbeitgeber seine Meldepflichten und Aufgaben richtig erledigt.

 

Freiwillige Versicherung: Freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung können die Höhe ihres Beitrages zwischen einem Mindest- und einem Höchstbeitrag frei wählen.Der Mindestbeitrag beträgt ab diesem Jahr 85,05 € und der Höchstbeitrag 1.096,20 € pro Monat.

Höherer Hinzuverdienst bei vorzeitigen Renten: Die Hinzuverdienstgrenze für Rentner steigt genauso wie die (Geringfügigkeits-) Grenze für Minijobber auf 450 €. Diese Grenze gilt für alle Altersrenten und Renten wegen voller Erwerbsminderung vor Vollendung des Regelalters. Bei Teilrenten wegen Alters oder Erwerbsminderung gelten individuelle Grenzen, hier muss bei einem Rentenberater oder der Rentenversicherung nachgefragt werden.

Midijobs oder Jobs in der Gleitzone: Die "beitragsfreie" Minijobzone ist auf 450 € angehoben worden. Konsequenterweise werden die Jobs in der Gleitzone ebenfalls angehoben. D.h.: ab einem Arbeitsverdienst in Höhe von monatlich 451 € ist dieser Verdienst versicherungspflichtig. Bei 451 € zahlt der Arbeitnehmer einen sehr geringen Beitrag, dieser steigt linear bis zu einem Entgelt von 850 € auf den vollen Beitragssatz.

Minijobs oder "Jobs auf 400 € - Basis": Minijobber dürfen jetzt 450 € monatlich verdienen. Der Unterschied zu früher ist jedoch, dass Minijobber jetzt grundsätzlich versicherungs- und beitragspflichtig sind. Dadurch erwerben sie Ansprüche auf das volle Leistungspaket der Rentenversicherung. Wenn jedoch ein schriftlicher Antrag über den Arbeitgeber gestellt wird, bleiben auch weiterhin Entgelte bis 450 € beitragsfrei. Bundesregierung und Rentenversicherung rechnen damit, dass über 90 % der Minijobber den Antrag auf Freistellung von der Versicherungspflicht stellen. Es gibt Übergangsregelungen für Beschäftigte, die vor dem 01.01.2013 einen Minijob begonnen haben.

Rente und Steuern: In den letzten Wochen und Monaten erhalten nach und nach fast alle Rentner Post vom Finanzamt. Durch Datenabgleich wissen die Finanzämter, wer eine Rente bezieht. Sie werden aufgefordert, eine Steuererklärung abzugeben. Wer im Jahre 2011 neben seiner gesetzlichen Rente keine weiteren Einkünfte hatte, braucht bei einer Rentenhöhe bis 15.700 € keine Steuern zahlen. Bei höheren und/ oder anderen Einkünften sollte ein Steuerberater sofort nach Eingang der Aufforderung zu Rate gezogen werden. Die Steuererklärungen müssen alle ausfüllen und einreichen.

Selbstständige: Es gilt ein neuer Regelbeitrag in Höhe von monatlich 509,36 €. Dieser Regelbeitrag wird von rentenversicherungspflichtigen Selbstständigen gezahlt, es ist bei Zahlung des Regelbeitrages kein Nachweis des Einkommens erforderlich.

 

Ab 01.07.2013 wird voraussichtlich gelten:

  • Die Renten sollen, geringer, als durch die Regierung versprochen, um 2,18 bzw. 2,26 % (im Osten) steigen.

  • Die Zuschussrente, auch pathetisch "Lebensleistungsrente" genannt, soll noch vor der Bundestagswahl gegen den Widerstand aller gesellschaftlich relevanten Gruppen (z.B. Arbeitgeber, Gewerkschaften, Sozialverbände) verabschiedet werden.

  • Arbeitnehmer, die vor Vollendung der Regelaltersgrenze "in Rente gehen", sollen mehr als bisher hinzuverdienen können. Unter dem Stichwort Kombirente können diese Rentner bis zu einer individuellen Hinzuverdienstgrenze zur Rente hinzuverdienen. Diese Grenze errechnet sich aus der Höhe der gesetzlichen Rente zzgl. dem höchsten Arbeitsentgelt aus den letzten 15 Jahren. Bei Überschreiten dieser Grenzen wird die Rente dann linear und nicht in Sprüngen, wie bisher, gekürzt.

  • Arbeitgeber können für Ihre Arbeitnehmer freiwillig Zusatzbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung entrichten. Dieser Beitrag darf nicht höher als 50 % des Pflichtbeitrages sein und zusammen mit dem Pflichtbeitrag nicht die Beitragsbemessungsgrenze übersteigen. Damit soll den Arbeitgebern die Möglichkeit gegeben werden, ihre Attraktivität im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte zu steigern.

"Ein Schelm, der bei den Neuerungen nicht an den kommenden (Renten-) Wahlkampf denkt" so der Inhaber von Rentenberatung Bonn, "vieles sind Versprechungen, von deren Wirksamkeit die Regierung selbst nicht überzeugt ist. Alles, was bis zur Bundestagswahl von Politikern bzgl. Renten gesagt wird, müssen wir auf die Goldwaage legen, um vielleicht doch noch ein Körnchen Wahrheit zu finden."