Selbstständigkeit im Alter?

(August 2013) "Demographischer Wandel 'mal anders" und "Grauhaarige Jungunternehmer steigen erfolgreich auf"! So oder so ähnlich liest man in der letzten Zeit immer öfter in den Zeitungen. Viele ältere Menschen wollen oder müssen sich selbstständig machen, da sie keinen Arbeitsplatz mehr bekommen oder selbst Chef/in sein wollen. Welche sozialversicherungsrechtliche Hürden sind da zu beachten?

Krankenversicherung und Pflegeversicherung: Wer hauptberuflich selbstständig ist, ist grundsätzlich nicht krankenversicherungspflichtig. Wie so oft in den Gesetzeswerken gibt es hier umfangreiche Ausnahmen. Wenden Sie sich an eine gesetzliche Krankenkasse, um dieses Problem zu klären. Wenn keine Versicherungspflicht besteht, ist die freiwillige Versicherung dringend anzuraten, da die finanziellen Risiken einer Krankheit nicht übersehbar sind.

Rentenversicherung: Auch hier gilt: Selbstständige sind grundsätzlich versicherungsfrei. Hier sind, trotz Selbstständigkeit, einige Berufsgruppen versicherungspflichtig, z.B.: Hebammen, Künstler, freiberufliche Lehrer u.a. Vor Eintritt in die Selbstständigkeit sollten Sie auf jeden Fall (!) einen Fachmann (z.B. Rentenberater) konsultieren, der ggfls. bei der richtigen Formulierung hilft. Freiwillige Versicherung oder Versicherungspflicht auf Antrag ist möglich.

Arbeitslosenversicherung: Wenn Sie sich selbstständig machen, sind Sie i.d.R. auch bei der Agentur für Arbeit versicherungsfrei. Wenn Ihre Tätigkeit wöchentlich mindestens 15 Stunden ausmacht, können Sie innerhalb von 3 Monaten nach Aufnahme Ihrer Tätigkeit einen Antrag auf freiwillige Versicherung stellen.

Berufsgenossenschaft: Wenn Sie Mitarbeiter beschäftigen, sind Sie auf jeden Fall in der Pflicht, als Alleinunternehmer gibt es Bereiche, in denen Sie nicht versicherungspflichtig sind.

Rentner: Beziehen Sie eine Altersrente vor Vollendung der Regelaltersrente, dürfen Sie monatlich bis 450 € verdienen, ohne die Rente in Gefahr zu bringen. Verdienen Sie mehr, wird Ihre Rente gekürzt. Nach Eintritt in die Regelaltersgrenze gibt es keine Verdienstgrenzen mehr. Als Rentner (und Selbstständiger) brauchen Sie keine Beiträge mehr zur Renten- und Arbeitslosenversicherung zu zahlen. Kranken- und Pflegeversicherung sind insgesamt bis zur jeweiligen Höchstgrenze fällig. Bezüglich der Berufsgenossenschaft ändert sich zu dem oben gesagten nichts.

"Die Selbstständigkeit, egal ob als Rentner oder vorher, ist eine äußerst komplexe Angelegenheit mit vielen Fallstricken" so Rentenberater Seyock von Rentenberatung Bonn "vor Eintritt in Ihre Selbstständigkeit müssen Sie sich bei Fachleuten (Steuerberater, Rentenberater, IHK) und bei Netzwerken, wie z.B. in Bonn das Netzwerk "40+" intensiv informieren und beraten lassen."